Paul Klee und die Musik 9

Man könnte versucht sein zu sagen, dass es in der Entwicklung der unterschiedlichen Ausdrucksmittel zwingende Lösungen gibt, welche einer Vorherbestimmung durch die Geschichte unterliegen: eine mehr oder weniger bewusste Osmose, die einem gegebenen Zeitraum ein gemeinschaftliches Profil verleiht, wobei die im jeweiligen Bereich verwendeten Mittel auf tieferer Ebene übereinstimmen. Es ist nicht unbedingt nötig — ja vielleicht nicht einmal möglich —, die Koinzidenz systematisch festzustellen, gleichwohl ist sie vorhanden, bisweilen unscharf, bisweilen erstaunlich genau.

Entsprechungen zwischen Malern und Musikern hingegen scheinen im 20. Jahrhundert häufiger aufzutreten. Die Parallele Picasso/Stravinskij ist ein Modellfall. Obwohl die beiden Künstler nicht in engem Arbeitskontakt standen, bleibt die Uraufführung von »Pulcinella« in der Erinnerung aller Beteiligten ein Musterbeispiel theatralischer Zusammenarbeit, ebenso wie das Titelblatt zum »Ragtime« den Prototyp einer vollkommenen Symbiose bildet. In dem so starken, so mächtigen Bild, welches die Ballets russes hinterließen, sind beider Namen sozusagen ineinander verschweißt. Und dies, obgleich sehr berühmte Stravinskij-Ballette — »Feu d’artifice«, »L’Oiseau de feu«, »Petrouchka«, »Le sacre du printemps«, »Le chant du rossignol«, »Renard« und »Les noces« — in Zusammenarbeit mit anderen Malern herauskamen: Giacomo Balla, Aleksandr Golovin, Aleksandr Benois, Nikolai Roerich, Henri Matisse, Michail Larionov, Natalja Gončarova.

Pierre Boulez

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Zeitschrift kontext

Beiträge aus Kultur & Gesellschaft | seit 1988

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