Paul Klee und die Musik 28

Man wird übrigens der Leitfunktion der Erinnerung am besten gewahr, wenn man dem Publikum ein neues Werk dergestalt präsentiert, dass man ihm zunächst sorgfältig ausgewählte charakteristische Beispiel vorstellt. Diese Erinnerungskerne funktionieren bemerkenswert gut und helfen dem Hörer, im Unbekannten voranzukommen – dank gewisser Signale, die umso stärker wirken, als sie zuvor isoliert aufgenommen wurden. Denn die Schwierigkeit für den Hörer besteht ja gerade darin, im unmittelbaren Augenblick diese Erinnerungs-Auslöser orten zu können ― vor allem in einer Musik, deren Entwicklungen keinerlei Symmetrie aufweisen. Dieser entscheidende Unterschied scheint mit der Grund dafür zu sein, dass die zeitgenössische Musik für das große Publikum schwerer zugänglich bleibt als die zeitgenössische Malerei.

Pierre Boulez

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Veröffentlicht von

Zeitschrift kontext

Beiträge aus Kultur & Gesellschaft | seit 1988

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