Inniges Ineinanderatmen

Der einzige Auftritt von Hana Blažíková und Bruce Dickey mit ihrem aktuellen Programm Breathtaking fand hierzulande bei den diesjährigen Tagen Alter Musik in Regensburg statt. Bei einer Matinee in der Schottenkirche St. Jakob spielten die Sängerin Hana Blažíková und der Zinkenist Bruce Dickey mit einen verwechselbaren Klang, mal umschmeicheln sich Stimme und Instrument und verschmelzen zu einem Klang, mal behaupten sie sich neben- und gegeneinander, immer getragen durch immense Virtuosität, perfekte Intonation und beseelte Musizierfreude. Begleitet wurden die beiden von Veronika Skuplik und Franciska Anna Hajdu, Violine; Jakob Lindberg, Laute; Mieneke van der Velden, Viola da gamba und Kris Verhelst, Cembalo, Orgel.

Der Zink gehörte zu den prägenden Instrumenten für die Musik des 15. bis Mitte des 17. Jahrhunderts, konnte er doch der menschlichen Stimme, genau genommen der Knabenstimme oder der weiblichen, besonders ähnlich sein. Geblasen wird ein Zink ähnlich wie eine Trompete, er ist allerdings aus Holz und das sanft geschwungene Rohr hat Grifflöcher wie bei einer Blockflöte, das Mundstück ist ziemlich klein – es ist eine wirklich große Kunst daraus schöne Musik hervorzubringen. Aber wenn einer es kann, dann ist es Bruce Dickey: als Spieler und als musikwissenschaftlicher und spielpraktischer Forscher hat er dieses wunderbare Instrument überhaupt erst wieder in die heutige Zeit geholt.

Das Programm zeichnete sich durch eine unbändige Freude an geradezu atemberaubender vokaler und instrumentaler Virtuosität aus. Es erklangen Werke u.a. von Maurizio Cazzati, Nicolò Corradini, Biagio Marini, Sigismondo D’India, Tarquinio Merula, Giovanni Battista Bassani, Alessandro Scarlatti und ein neues Stück, das die griechische Komponistin Calliope Tsoupaki extra für dieses Projekt geschrieben hat. Als Text hat sie sich das »Nigra sum sed formosa« aus dem Hohelied ausgesucht: »Dunkel bin ich, aber schön«, hier in einer Version in byzantinischem Griechisch.

Der Zink war auch bei dem jungen belgischen Vokal- und Instrumentalensemble InAlto unter der Leitung von Lambert Colson das tragende Instrument. Der Zinkenist spielte mit seinem Ensemble venezianische Musik des 16. und 17. Jahrhunderts in der St.-Oswald-Kirche.
Der Titel des Programms »La Liberazione di Venezia« beschreibt die Welt der Emotionen von Verzweiflung, Hoffnung und schließlich von Freude und Glück darüber, dass Venedig die Pestepidemie zu Beginn des 17. Jahrhunderts überstanden hat. Das Gelübde, eine Kirche zu bauen, wurde mit Werken von Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi und Giovanni Rovetta begleitet, die Grundsteinlegung der Kirche »Santa Maria della Salute« mit Musik von Alessandro Grandi, Giovanni Battista Bassani, Giovanni Battista Buonamente und Carlo Filago und der Dankgottesdienst zum Ende der Pestepidemie wird mit der Missa a 4 aus Claudio Monteverdis »Selva morale e spirituale« und der »Laetaniae della Beata Vergine« gewürdigt. Das etwas gewollte und nicht immer harmonische Zusammenspiel trug allerdings nicht dazu bei, einen wirklich zwingenden Bogen über das Programm zu spannen.

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Hana Blažíková und Bruce Dickey

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Veröffentlicht von

Zeitschrift kontext

Beiträge aus Kultur & Gesellschaft | seit 1988

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