Paul Klee und die Musik 36

Bei Klee beobachten wir das genaue Gegenteil. Was mich in dieser Überzeugung bestärkt, ist seine Prägespur, die man deutlich erkennt. Die Linie ist nicht die vollkommene Linie, sondern eine Annäherung an die Linie; die Hand muss nicht mit einer Regel wetteifern, sie schafft ihre eigene Ableitung, ihre eigene Verzerrung; der Kreis ist nicht der perfekte Kreis, sondern ein Kreis, ein von Hand gezogener Kreis, für den Klee den Zirkel verworfen hat, ein Kreis unter hundert anderen, der die wunderbare Autonomie seiner eigenen Abweichung besitzt. Wir haben gleichzeitig die Geometrie und die Abweichung von der Geometrie, das Prinzip und die Übertretung des Prinzips. In meinen Augen ist dies die wichtigste Lektion Klees, und sie wird noch bemerkenswerter, wenn man die eher nüchterne, strenge, geometrische Welt des Bauhauses bedenkt. Klee hält eine Zone der »Widersetzlichkeit« aufrecht.

Pierre Boulez

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Zeitschrift kontext

Beiträge aus Kultur & Gesellschaft | seit 1988

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