Die Entdeckung der Leidenschaft in der Musik

Anfang des 17. Jahrhunderts schlugen Claudio Monteverdi und seine Zeitgenossen ein neues Kapitel Musikgeschichte auf. Sie verkündeten die Vorherrschaft von Sprache, Rhetorik und Affekt. Monteverdi war der erste, der dem Menschen ermöglichte, von sich selbst zu singen. Verlassene Frauen und verunsicherte Helden können nun ihre Gefühle auf die Bühne bringen. Sehnsüchte und Leidenschaft nehmen in einer natürlichen Sprache der Musik Gestalt an. Jenseits der Vorgaben von Stil und Konvention entdecken Individuen die Möglichkeit, ihre Affekte auszudrücken. Subjektiv, ungebunden, radikal in der Konzeption neuer Klänge, auch in der Überwindung der Tradition. Sinnlichkeit ersetzt das Kalkül der Vernunft und erfordert Mut auf Seiten der Interpreten: Kraft und Lust, sich Dissonanzen auszusetzen, die doch immer wieder zurückfinden.

In dieser Zeit entwickelte sich auch eine eigenständige und selbstbewusste Instrumentalmusik. »Sonate« nannte sich die neue Gattung, die der Sprache und dem theatralischen Aspekt der Oper abgelauscht war. Die Geschichte von der Entdeckung der Leidenschaft in der Musik seit Monteverdi stand im Mittelpunkt des Konzerts im Rahmen der Barocktage 2018 an der Staatsoper Unter den Linden. Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger hat sich für dieses Programm Dmitrij Sinkovskij, Barockvioline und Countertenor, Marco Testori, Violoncello, Luca Pianca, Laute und Jeremy Joseph, Cembalo, eingeladen. Im Mittelpunkt standen neben einer Arie und zwei Madrigale von Monteverdi Werke von Salomone Rossi, Dario Castello, Giovanni Battista Fontana, Marco Uccellini und Tarquinio Merula.

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Zeitschrift kontext

Beiträge aus Kultur & Gesellschaft | seit 1988

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