Il Giardino Armonico

Es war venezianische Musik mit der Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico seit Mitte der achtziger Jahre auf sich aufmerksam machte und mit dieser Musik kamen sie am vergangenen Freitag, den 10. November 2017, in kleinster Besetzung in den neuen Pierre Boulez Saal nach Berlin.

Vivaldis »Tempesta di mare« war so etwas wie das Leit-Stück einer damals neuen, die Affekte der Barockmusik ausreizenden Generation von jungen Musikern und über dreißig Jahre später geht Il Giardino Armonico mit den Gesten und Affekten nach wie vor so um, als ob diese alte Musik immer noch zu beleben gilt. Selbst vergleichsweise zahme Stücke wie jene von Tomaso Albinoni bekommen durch gestalterische Nachschärfung einigen Biss. Über die Ausdruckspalette der Epoche verfügen diese Musiker ja wie im Schlaf, und ergraut sind höchstens die Haare einiger Musiker – das Temperament ist ungebrochen, der Umgang damit aber ausgewogener als in den »wilden« Jahren des Beginns. Nur ihr Leiter Giovanni Antonini scheint, wenn er zur Blockflöte greift, von der heutigen Spielweise ein wenig überholt zu sein: Vivaldis berühmtes Sopranino-Konzert (C-Dur RV 443) kann man durchaus weniger manieriert, dafür klanglich ausgefeilter und raffinierter angehen. Sehr eigenständig gedacht hingegen das nicht minder geläufige Altblockflötenkonzert F-Dur RV 442: Da schien Antonini als Solist vor allem im ersten Satz mit auffallend zurückhaltendem Tempo für Feinheit einzutreten. So wurden gar wundersame malerische Wirkungen im Zusammenspiel erreicht.

Der interessanteste Teil des Programms war der Beginn mit einer Sonate »con tre violini« von Giovanni Gabrieli, einem Blockflöten-Solostück von Giovanni Bassano und einer Streichersonate von Dario Castello. Sie alle waren um und nach 1600 quasi infiziert vom neuen Genre Oper, und was die Meister der Monodie um Monteverdi den Sängern an rhetorischer Ausdrucksmöglichkeit erschlossen, haben diese Instrumentalkomponisten nachzuahmen versucht und eben den Spielern quasi in die Finger geschrieben. Damals wurde also das Musik-Vokabular des Barocks entwickelt – schön, das von Il Giardino Armonico so sprechend und mit Verve wieder vorgeführt zu bekommen.

Das Programm  Giovanni Gabrieli  Sonata XXI »con tre violini«, Venezia 1615.  Giovanni Bassano  Ricercata terza aus »Ricercate, Passaggi et Cadentie«, Venezia 1585.  Dario Castello  Sonata decima sesta a quattro stromenti d’arco aus »Sonate concertate in stil moderno«, Libro secondo, Venezia 1629.  Giovanni Legrenzi  Sonata XV a quattro op. 10 »La Cetra«, Venezia 1673.  Antonio Vivaldi  Concerto in fa maggiore per flauto traverso e basso continuo op. X n. 5 RV 442.  Antonio Vivaldi  Sonata »La Follia« op. 1 n. 12 RV 63.  Antonio Vivaldi  Concerto in do minore per flauto archi e basso continuo RV 401.  Tomaso Albinoni  Concerto a cinque in do minore op. 10 n. 11.  Antonio Vivaldi  Concerto in do maggiore per flautino e basso continuo RV 443.

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